12vorFuchs Improvisationstheater

Die Ballade von Romolox – ein Rückblick

12vF 20190112Helden Mail“Papa, Papa”, sagt des Großwesirs Sohn, „bevor ich schlafen gehe, nach diesem langen Tag, an dem ich zum ersten Mal mit deinem großen Bogen geschossen habe, erzählst du mir noch eine Geschichte?“
„Eine Geschichte?“, fragt der Großwesir, „Die, wie ich mich als junger Mann aus der Sklaverei an Bord einer Galeone befreite? Oder die von Ahmed und der Klapperschlange namens Klappertantchen?“
„Nein, lieber die von Romolox, die mag ich am liebsten!“
„Romolox schon wieder?“
„Ja, das ist mein Lieblingsheld!“
„Na gut, die Ballade von Romolox willst du also hören“, sagt der Großwesir, und beginnt:

Ballade von Romolox

Als unser schönes Städtchen hier
statt Kerman noch hieß Badasir,
da reihte sich auf dem Bazare
schon – Stand an Stand – die schönste Ware
von Kräutern für Zahnmedizin
zum Schlangen-Entertainment hin.

Und in dem bunten Treiben drin
stand „Cyclopixes Wollsatin“,
ein Stand – und das war stadtbekannt –
in dem das Schneiderherz stets fand,
was immer er für sein Gewande
bedurft an Stoffen oder Bande.

Und zwischen Kordel, Bund und Ballen
stand Romolox, bekannt bei allen
als des Stoffstandbesitzers Sohn
mit großem Herz und sans Argwohn,
bei dem man gut bedient auch ist,
hat man kein Geld für den Batist.

Dem Vater war das gar nicht recht,
weshalb zur Straf der Knab als Knecht
mehr recht als schlecht mit einem Besen,
der für den Knab zu kurz gewesen,
tagein tagaus mit viel Verdruss
die Wüste kehren gehen muss.

Den grämt das sehr, weshalb er dann
beschließt, dass er was bess’res kann
und auszieht, mit einer Nomadin
zur Hafenstadt von Groß Karchadin,
die Feder mit, von Cyclopix,
und Onkels Ratschlag: „Scheiß da nix!“

Als dann der Kapitän viel Geld
verlangt fürs Reisen um die Welt
und wüst mit Federqualen droht,
erkämpft der Romolox das Boot
mit Federkampf und viel Geschick –
beim Vater lernt‘ er einst den Trick.

Doch Romolox gönnt man nicht Ruh.
Aufs Boot, da schwimmt ein Narwal zu
und kentert es, und unser Held
taucht ein in eine Wasserwelt,
wo Tiefseeschlangen er bekehrt –
das Klappertantchen’s ihn gelehrt.

So wird der Held nun angespült
an fremde Ufer – unterkühlt,
und mutterseelen ganz allein
Doch halt – kann das ein Pünguün sein?
Fürwahr – ein Nordpolpünguün
hält Romolox den Flügel hin.

Wer Freundschaft mit ‘nem Pünguün schließt,
der Wirtschaftswachstum rasch genießt.
Aus Pünguünhaar kann man echten
Funktionswollmantelstoff wohl flechten,
den Romolox nun offeriert
und sich damit schnell etabliert.

Von nah und fern, von fern und nah
kommt sie gerannt, die Kundenschar,
den Pünguünstoff mal zu sehen
und ein’ge Meter zu ersteh’n
geschnitten nach den neu‘sten Chics
denn Romolox, der scheißt sich nix.

Doch‘s Pünguünlein Hunger hat,
so kommt’s zur nächsten Heldentat.
Hinaus zieht Romolox ins Eis.
Da steht sie vor ihm, mächtig, weiß
und überwältigt ihn fast schon.
Es war die Faulheit – in Person.

Da liegt er da, der wack’re Held
die Augen schwer, und klamm vor Kält‘
in der Normadin weichen Armen,
den ehemalig stark und warmen,
inmittst des Schnees er sie entdeckt,
die Faulheit nieder sie gestreckt.

Von seinen starren Fingern fällt
der Narwalzahn, den er als Held
errang im Kampf im tiefen Meer,
und auch ihr reifer Camembert,
und beider Herzen werden schwer.
Bald schlagen sie nun nimmermehr.

Da öffnen sich die Wolkendecken
des Helden Herzen zu erwecken.
Ein Fünkchen Wärme, g’rad ein Strahl
ihm ins Gesicht, das asch und fahl
und kalter Stirn im Schnee gelegen
schafft’s, dass sich die Gedanken regen.

Mit letzter Kraft denkt er: „Ist’s hier
auch kalt – ich bin aus Badasir
wo Sand und Hitze stets regieren!
Jemand wie ich wird nicht erfrieren!
Ich habe Dünen einst gekehrt!
Faulheit und ich? Das ist verkehrt!“

Er rafft sich auf und schultert sacht
seine Nomadin mit Bedacht
und macht sich auf, um aufzumachen
den Stand mit all den Pünguün-Sachen
auf dass auch morgen jeder weiß:
der Romolox hat den geilsten Scheiß.

Unweigerlich: wenn viel gelingt,
das auch viel Neider mit sich bringt.
Die Stoffgeschäfte stehen leer.
Die Konkurrenz erzürnt das sehr,
und fasst den eisernen Beschluss,
dass hier nun was geschehen muss.

Sie reist nach Norden zu den Schollen,
auf dem die Pünguüns sich trollen
und droht, sie alle zu rasieren,
um daraus Stoffe zu kreieren,
hernach können sie ruhig krepieren,
solang die Federn sie verlieren.

Als Romolox nun davon hört,
ist er verzweifelt und empört
und würd‘ sofort im Kampf sich messen
hätt ‘ne Galeone er besessen.
Doch wie soll er die Schurkin kriegen?
Er kann ja übers Meer nicht fliegen!

Kann er nicht? Oh, kann er schon!
Da steht er auf dem Eisbalkon
vor die ‘ne Schanze er sich baut.
Ob er sich wirklich rutschen traut?
Da rast er los am Pünguünfell!
Ja, Pünguüne fliegen schnell!

Der Fliegeteppich ist geboren
und so der Kampf noch nicht verloren.
Ja Romolox, der zückt die Waffen,
dort, wo die Schollenspalten klaffen.
Das Narwalhorn als starkes Schwert
ins Feld zu führen ist nie verkehrt.

Jedoch die Gegnerin schläft nicht,
verwundet Rom’lox im Gesicht
erblindet ihn mit dem Rasierer
macht ihn beinahe zum Verlierer
da stoßen sie mit ganzer Kraft
die Pünguüns – und haben’s geschafft.

Hinfort treibt sie, die Händlerin,
und jubeln tut der Pünguün.
Doch dann, da stutzt der kleine Wicht,
der Romolox, der sieht ihn nicht.
Die Pünguüns zwar ungeschoren,
hat er sein Augenlicht verloren.

Ist Romolox denn nun am Ende?
Oh nein! Er hat noch seine Hände!
Ob kreuzgewebt oder mit Quasten
*Stoffe* lassen sich ertasten!
Auch hat er Beine, um zu stehen
– und, um nach Hause auch zu gehen.

Dort steht am Hafen dann der Vater
der Blick wie eh und je ein harter,
doch der –wer hätt’s gedacht – erweicht,
als Romolox ihm Stoffe reicht
aus Pünguünfellen – weichen, warmen,
und schließlich sich die zwei umarmen.

(js)

12vF 20190112Helden Mail

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Ein Kommentar

  1. Wie wunderbar hast du beschrieben,
    was Samstags da die Füchse trieben.
    Vom Pünguün, vom Wüstenbesen,
    das alles kann man hier nachlesen
    und dabei voller Spannung beben
    das Märchen nochmal zu erleben.

    Danke dafür!