12vorFuchs Improvisationstheater

Oben oder Unten: so ging es aus bei „Himmel und Hölle“

12vF 20190112Helden Mail„Bitte, bitte, ich möchte nicht weiter dafür verantwortlich sein, dass Seelen für alle Ewigkeit Höllenqualen ausgesetzt sind, dass sie wieder und wieder in Endlosschleife das selbe Fußballspiel anschauen müssen – Juventus Turin gegen Färöer Inseln – und die letzte Minute fehlt“, flehte der Teufel, verzweifelt, auf Knien. Doch die Mühlen der Administration in der Hölle arbeiten stetig und ohne Ausnahme. Da hilft dem Teufel auch kein Mentalcoach. Die Unterwelt ist schließlich eine parlamentarische Monarchie, und dem Teufel bleibt nichts als sich dem Regelwerk unterzuordnen.

Es sei denn…nun, das mit dem Wetten mit dem Herrgott im Himmel hat alte Tradition. Es geht also einmal wieder um eine Seele, um ein Menschelein auf Erden – in diesem Fall um Otto Webler – der entweder auf die Seite der Dunkelheit oder des Lichtes gezogen wird. Im Fegefeuer wird nun entschieden, ob er dem Himmel oder in der Hölle zuzuordnen ist. Der Wetteinsatz ist hoch. Sollte der Teufel überzeugen können, dann kommt es zu einem Austausch auf höchster Ebene – Gott übernimmt die Hölle, und der Teufel darf aufsteigen und den Himmel leiten. Verliert er, muss er in Zukunft die Hölle ohne Unterstützung regieren, weil sein gesamter Administrationsapparat zum Himmel auffährt.

Hören wir nun die Stellungnahmen:

Plädoyer zur Aufnahme in die Hölle

Das Leben von Otto W. ist als ausgefuchst zwielichtig zu interpretieren, und zeigt geradezu geniales, höllisches Talent.
Trotz klarer medizinischer Konterindikation – attestiert durch den vielschichtigen Kardiologen Dr. Bischinger – insistiert Otto W., Pilot werden zu wollen. Er suhlt sich wahrhaft in seinem Elend, diesen einen Beruf nicht ergreifen zu können. Damit manipulier er erfolgreich seinen überfürsorglichen Vater, und bringt ihn dazu, ihm alleine das Familienlokal zu überschreiben, und seine Schwester, deren Herz an diesem selbigen Lokal hing, zu übergehen. Klever verkauft Otto W. es an eine völlig fremde Person, Frau S., bevor sein Vater deutlich machen kann, dass er das Lokal auch seiner Schwester geben kann.
Als der familiäre Druck zu hoch wird, entzieht er sich elegant der Verantwortung, indem er sich nach Hinderstrausdehude in Australien absetzt, ein Land in dem Piloten bekanntlich nichts verboten ist (es sei nochmal betont, Otto W. ist zu diesem Zeitpunkt *kein* Pilot – und trotzdem macht er sich mit genialer Arglist diesen australischen Grundsatz zu Nutze) und taucht auf der Staußenfarm der befreundeten J. unter. Der Bösartigkeit noch die Krone aufsetzend sagt er nicht einmal seine Freunde vom Kleingartenverein in Österreich etwas von seiner Abreise.
Als ihn in Australien seine Vergangenheit einholt, in der Form der Lokalkäuferin S., deren Herz erweicht ist ob der Klagen von Otto W.s Schwester A., folgt ein genialer Coup seitens Otto W. Ohne entsprechende Verfügung oder Berechtigung überschreibt er S. die halbe Straußenfarm, und überlässt die Akzentverwirrte Österreicherin ihrem Schicksal.
Indes setzt Otto W. sein zwielichtiges Leben fort. Geschickt schleust er sich ohne entsprechende Berechtigungen in die Australian-Pilot-Association (APA) ein – eine von jedem Verdacht erhabene Assoziation, den Mitgliedern aus gutem Grund nichts verboten ist – und versucht sich daran, deren hohen Standards an Flugsicherheit selbst unter höchstem Druck und Einfluss von hochdosiertem Ethanol gerecht werden zu können. Unglücklicherweise fliegt sein Bluff auf, wobei es ihm jedoch gelingt, durch geschickte Verhandlungstaktik einem Mitglied der APA einen defekten Fallschirm aufzuschwatzen. Otto Weblers wunderbar-wahnwitzige Beteuerungen, dass zwei fliegende Strauße für den Unfall verantwortlich seien, werden tatsächlich in australischen Kreisen als plausibel gehandelt.
Die Australische Polizei macht ihn dingfest, doch der Arm von Otto W. reicht natürlich weit. Seine Freundin die Straußenfarmbesitzerin verführt S., was S. wiederum dazu bewegt, mit großen Mengen Geld in der Polizeistation von Hinderstrausdehude die dortige, offenbar korrupte Polizei zu bestechen. Den Angaben von S. zufolge dachte sie zu diesem Zeitpunkt, sie zahle eine Kaution. Dass sie selbst den Schlüssel zu Otto W.s Zelle in Händen hielt, lässt dies zumindest fragwürdig erscheinen.
Klugerweise setzt sich Otto W. daraufhin sofort nach Österreich ab. Wiederum verabsäumt er es, seine Freunde vom Kleingartenverein darüber zu informieren. Diese sind auf der Suche nach ihm in Australien, wo sie stattdessen auf die dort native Camanula nassiterna, im heimischen Jargon auch ‚ Gießpflanze‘ genannt, stoßen. Ob dies dem Zufall zuzuschreiben ist, oder ob Otto W. seine Freunde geschickt als unwissende Drogenkuriere missbrauchte, ist nach derzeitigem Stand noch offen. In jedem Fall entsteht zu diesem Zeitpunkt das Serum Cardia Nassisterna, das Otto W. dazu verhilft, seine Herzrhythmusstörungen zu regulieren – zumindest temporär – und sich damit für den Aufnahmetest in die Pilotenakademie zu qualifizieren.
In Folge verkauft er das Serum an weitere Patient*innen und opfert sich schließlich für das Böse und erliegt selbst den Nebenwirkungen seiner Wunderdroge. Damit schafft er es, zu suggerieren, dass er das alles in gutem Glauben getan hat. Wahrlich ein großartiger Repräsentant der dunklen Welt, dieser Otto W.
Glasklar also, seiner genialen Bösartigkeit kann nur durch eine Ewigkeit in der Hölle Rechnung getragen werden.

Plädoyer zur Aufnahme in den Himmel

Otto Webler, oder auch Ottilein, wie er liebevoll genannt wird, ist ein wunderbare Mensch, der sich stets zerrissen gefühlt hat, in dem Bedürfnis, Gutes zu tun.
Otto versucht sein bestes, Pilot zu werden. Seine Prüfungsergebnisse sind exzellent. Leider verhindert ein angeborener Herzfehler die Verwirklichung dieses Traumes. Daher versucht er, zumindest das Herzensprojekt seines Vaters weiterzuführen, und im Familienkaffehaus die  Tradition zu wahren. Sein Vater sieht aber, wie sehr ihn das quält und entmutigt ihn, das Lokal zu verkaufen und sich damit eine Reise nach Australien zu finanzieren, wo Piloten bekanntlich nichts verboten ist – vielleicht sogar das Haben eines Herzfehlers. Otto tut das, doch die Traurigkeit seiner Schwester darüber, dass sie selbst das Lokal dann nie führen kann, rührt ihn sehr, und er versucht sein Möglichstes, den Verkauf rückgängig zu machen.
In Australien, auf der Straußenfarm seiner Freundin J., der hässlichsten Frau Australiens, sieht er eine Chance dafür. Statt des Lokals bietet er S. die Hälfte der Straußenfarm an – hoffend, dass er recht hat, und S. und J. sich ineinander verlieben werden, und er damit auf einen Schlag den beiden Frauen und seiner Schwester zu Glück verhelfen kann. Dass er in all der Aufregung vergessen hat, seine Freunde vom Kleingartenverein von seiner Abreise zu informieren, sei ihm zu verzeihen. Auch weiß er ja, dass die auch gerne zu zweit mit Bienchen und Blümchen beschäftigt sind.
Nun darf auch Otto sich seinen Herzenswunsch erfüllen, und endlich fliegen. Er freundet sich mit australischen Piloten an, die ihm bestätigen, dass dortzulande Piloten tatsächlich nichts verboten ist, und steigt ins Cockpit. Seine Versuche, den Kollegen davon abzuhalten, im Dienst Alkohol zu trinken und auch ihm welchen aufzuschwatzen sind vergeblich. Selbst der Hinweis, dass die beiden schon fliegende Sträuße sehen, wird vom Kollegen ignoriert. Als die Maschine dann nach der Kollision mit einem solchen fliegenden Strauß ins Strudeln gerät, überzeugt Otto den Kollegen, den einzigen Fallschirm an Board zu nehmen, und sich damit zu retten. Dass dieser defekt ist, kann Otto ja nun wirklich nicht ahnen. In jedem Fall schafft er es, die Machine sicher notzulanden – eine Tatsache, die ihm nach Fug und Recht eine Ehrenauszeichnung einbringen sollte.
Leider aber scheint die APA den Unfall provoziert zu haben, was auch den defekten Fallschirm erklärt, und will keine Zeugen, weshalb Otto völlig unschuldig inhaftiert wird.
Dankbar für seine Intervention mit J. kommt S. und zahlt gerne bereitwillig seine Kaution. Otto kommt frei und kehrt nach Hause zurück, wo ihm seine glückliche Schwester das von ihr umgestaltete Tanzlokal zeigt.
Otto selbst ist damit der einzige immer noch unglückliche. Kein Wunder also, dass, als seine Freunde vom Kleingatenverein ihm von der herzheilenden Wirkung der Gießpflanze erzählen, die sie aus Australien mitgebracht haben, er sich bereit erklärt, sich als medizinisches Testobjekt zur Verfügung zu stellen. Und tatsächlich, es scheint als könnten seine Herzrhythmusprobleme damit überwunden werden. Freudig teilt er den Erfolg und das Medikament mit anderen. Umso tragischer, dass es sich leider herausstellt, dass nicht alle das Medikament so gut vertragen. Als Otto hört, dass einer derer die es einnehmen verstirbt, kann es sein gutes Herz nicht fassen, und er selbst stirbt an dem Schock über diese Tatsache.
Sein ganzes Leben hat Otto versucht, die Menschen um ihm glücklich zu machen, und deren Erwartungen und Wünsche zu erfüllen. Oft war er hin und hergerissen zwischen den sich widersprechenden Bitten derer um ihn. Nun möge er Frieden finden in den Himmlischen Höhen, und endlich seinen Traum vom Frieden in Erfüllung gehen sehen.

 

Was? Die Mächte haben gesprochen? Er ist nun tatsächlich in der Hölle? Teufel, das hast du aber mal wieder gut gemacht! Was? Es war eine win-win-Situation? Weil du sonst eh auch deinen Beamtenstab losgeworden wärst? Weil der dann im Himmel wäre? Verdammt! Du bist schon ein teuflischer welcher!

(js)
12vF 20190112Helden Mail

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