12vorFuchs Improvisationstheater

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Metamorphosen


Metamorphosen – eine improvisierte Steinzeit-Geschichte

 

Wie viele gute Geschichten beginnt auch diese mit den Worten:  Es war einmal vor langer, langer Zeit…

In diesem Fall sogar vor seeeehr langer Zeit, genau genommen in der Steinzeit!  Da lebte der junge Karl, Spross einer Jäger-Familie, mitten im eis-kalten Mammutland in einer Höhle, gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester. Alles wäre gut gewesen, hätte Karl, so wie es sich gehört, einen ehrbaren Beruf gewählt wie Mammut-Jäger oder auch Mammut-Ausnehmer – aber nein, er war anders. Er war versessen auf Pflanzen und das Sammeln von Beeren. Ein Sammler! Welch Schmach für die Familie! Und so kam es, wie es kommen musste: Karl wurde von seinem Vater verstoßen. Und schon damals gab es so eine komische Regel: Wenn man verstoßen wird, muss man gehen. Basta.

Und so verabschiedete er sich von allen: Von seiner Schwester, die Angst um ihn hatte, da er doch nicht einmal den Weg von einer Höhle zur nächsten fand. Doch er konnte sie mit den weisen Worten beruhigen: „Dann wird der Weg, den ich nicht finde, eben mein Weg sein.“

Er verabschiedete sich von seiner Kindheits-Freundin, mit der er viel Zeit verbracht hatte und die für ihn mehr empfand als nur kindliche Gefühle. Und schließlich auch von seinem zeitweiligen Arbeitgeber Stone Johnson, dem Erfinder, der gerade mit der Erfindung der Steinuhr beschäftigt war. Dieser gab Karl ein Geschenk mit auf den Weg: zwei besondere Steine, die er die „Eier des GROSSEN MU“ nannte, bezugnehmend auf ihren Blitz-Gott, der ihr Allerheiligstes war. Denn so wie der GROSSE MU die Blitze schickte (manchmal sogar, um damit die Zeit anzuzeigen), ergab das Zusammenschlagen der „Eier des GROSSEN MU“ eine plötzliche Ansammlung von kleinen Blitzen, die wunderschön aussahen.

Nur von der Mutter seiner Freundin konnte er sich leider nicht mehr verabschieden: Sie war kurz davor auf einer Eisscholle, die aufgrund des zu warmen Winters vom Festland abgebrochen war, im wahrsten Sinne des Wortes verschollen! Scheiße!

So machte sich Karl also auf den Weg – zu Fuß, da Stone Johnson die Erfindung des GROSSEN MU-Rades noch nicht ganz abgeschlossen hatte. Und nach langer und abenteuerlicher Reise kam er schließlich in das waldige Land der Sammler. Dort wurde er von den kreativ-gechillten Hippie-Stonies Jackson und Pollock aufgegabelt. Als erstes war klar, dass er einen neuen, cooleren Namen brauchte. Mit dem dafür üblichen Ritual, dem Finden der eigenen Pflanze in sich selbst, war mit der Brennnessel schnell klar: er war ab sofort Burning Charlie!

Und so fand er auch Eingang in die Dorfgemeinschaft und er lernte dort sogar ein Mädchen kennen, das mit ihm in die Büsche ging, um dort mit ihm Beeren zu sammeln. Doch wie man weiß, wachsen in Büschen nicht nur Beeren, sondern auch Kinder. Doch das erzürnte seine Kindheits-Freundin, die sich extra auf den Weg gemacht hatte, um ihre große Liebe zu suchen, so sehr, dass sie sich schwor, Zwietracht zu säen und so Rache an diesem Verrat zu nehmen.

So wurde Charlie aus dem Sammler-Dorf wegen bösen Gerüchten ausgestoßen und er musste zurück in seine Heimat. Dort kam er zu seinem alten Vater, dem er von seinem bisherigen Leben berichten und sich mit ihm versöhnen wollte. Doch schien es unmöglich, sein altes, hartes Herz zu erweichen. Da die Liebe eines Mannes ja meist durch seinen Magen geht, versuchte er für seinen Vater ein Gericht zuzubereiten, das die Liebe erneut erwecken sollte. Doch es war nur ein vegetarisches Gericht und da schmeckte ihm das von Charlies Kindheits-Freundin in Konkurrenz zubereitete Mammutfleisch im Vergleich viel besser.

In letzter Not holte Charlie sein Geschenk, die „Eier des GROSSEN MU“, heraus und schlug sie aneinander und siehe da: Die Funken stoben auseinander, entzündeten Laub und Geäst. Burning Charlie hatte Feuer gemacht! Und das Feuer führte zu einer Metamorphose von Gemüse und auch von Fleisch in etwas Neues, das eine solche Köstlichkeit war, dass sein Vater in hellste Freude und gleichzeitig seinem Sohn in die Arme fiel. Welch ein Glück, welch ein Segen, welch ein Happy End!
(SF)