12vorFuchs Improvisationstheater

Szene aus „Improtheater: Ein Kammerspiel“

Improspieler #27341: Jetzt kennen wir uns schon über ein Jahrzehnt.

Das Improtheater:      … und du bist noch immer nicht ganz glücklich mit mir. Ich spür’s doch genau.

Improspieler #27341: Wie würdest du dich fühlen, wenn du so gefordert wärst? Ich mein, du kannst nicht behaupten, dass du’s mir immer leicht machst.

Das Improtheater:      Wenn ich dich nicht ständig fordern würde, wäre dir doch langweilig. Und du würdest jedes Mal, wenn du scheiterst, im Boden versinken. Ich habe dir beigebracht, mit Freude zu scheitern. Ohne mich…

Improspieler #27341: Kriegst du meine Kommentargesichter nicht mit? Sei nicht stolz auf etwas, wo ich noch einen Riesenweg vor mir habe.

Das Improtheater:      Du und dein Perfektionismus! Nimm doch einfach zur Kenntnis, dass du mich liebst!

Improspieler #27341: (Zieht ein Kommentargesicht und grummelt.)

Das Improtheater:      Du kannst doch gar nicht anders. Du hast mir selbst erzählt, dass deine Beziehungen zu anderen Hobbys immer nach spätestens drei Jahren vorbei waren. Bei mir bist du geblieben.

Improspieler #27341: (Nimmt einen Schluck aus einer fiktiven Weinflasche.) Ich verdien ja jetzt sogar schon etwas Geld mit dir.

Das Improtheater:      (leise) Das macht’s nicht leichter. Ich hab mir das nicht gewünscht. Wie soll ich wissen, dass du nicht nur des Geldes wegen bei mir bleibst?

Improspieler #27341: (Blickt seinem Gegenüber tief in die Augen.) Vertrau mir.

Das Improtheater:      (Schaut skeptisch.)

Improspieler #27341: Du hast mir gezeigt, dass ich auf der Bühne stehen kann, die Aufmerksamkeit des Publikums kriegen kann, und das ohne Text lernen zu müssen. Großartig. Das werde ich dir nie vergessen!

Das Improtheater:      Also wärst du eigentlich gern ein (exaltiert) echter Schauspieler…

Improspieler #27341: Na ja, es wär schon cool, mal ein ganzes Stück zu spielen, das von einem echten nicht unterscheidbar ist. Das ist doch die Königsdisziplin. Das wäre…

Das Improtheater:      (Verärgert) Stopp!

Improspieler #27341: (Blickt überrascht.)

Das Improtheater:      (bestimmt) Projizier deinen Minderwertigkeitskomplex nicht auf mich.

Improspieler #27341: Aber…

Das Improtheater:      (Unterbricht ihn.) Nichts aber! Ich habe für mich allein genommen einen Wert. Ich bin eine eigene Kunstform und muss mich nicht mit anderen Kunstformen vergleichen, die völlig andere Voraussetzungen haben.

Improspieler #27341: Hmm. (Überlegt.) Aber das Publikum findet es immer sehr beeindruckend, wenn du wirkst wie echtes Theater.

Das Improtheater:      Dann sorg dafür, dass das Publikum versteht… dass alle, die mit mir eine Beziehung haben, verstehen, dass ich nicht Theater zweiter Klasse bin, kein Abklatsch, nichts Unfertiges, nichts Unvollständiges, das nur (deutet Anführungszeichen an) per Zufall mal an das Original heranreicht. (Dramatische Pause.) Lieb mich einfach, so wie ich bin!

Improspieler #27341: (Lässt sich Zeit, nimmt sein Gegenüber dann an der Hand.) Ich will es versuchen.

Das Improtheater:       (Sieht skeptisch sein Gegenüber an.)

Improspieler #27341:  (zum Publikum, schelmisch ein Kommentargesicht fakend) Und wenn ich dabei scheitere, dann mit Freude.

Das Improtheater:       Du Arsch!!!

(Beide fangen an, einander neckend zu pieksen. Es entspinnt sich ein Zeitlupenkampf, der damit endet, dass sie einander lachend in den Armen liegen.)

Improspieler #27341:  (flüsternd) Ich liebe dich.

Das Improtheater:       Ich weiß…

SCENE

 

(Alle Ähnlichkeiten mit lebenden Personen bzw. Improtheatern entstammen der blühenden Phantasie des Publikums.)

Richard, November 2018

 

 

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(Foto: Mirella Rusch)

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