12vorFuchs Improvisationstheater

Kakteenritt – ein Blick über die Schulter

Unter der sengenden Sonne

Mit der magischen Quacksalberin Frida in dessen Wagen sie lebt, und die sie liebevoll „Tante“ nennt, ist sie nicht blutsverwandt. Sie hat keinen Namen. Sie hat keine Eltern. Sie ist auf der Suche nach ihren Wurzeln, nach ihrer Identität, nach ihrer Mutter, selbst wenn diese in ein Pferd verwandelt worden sein sollte, vor allem aber nach ihrem Vater, nach Lucky Joe.

Doch Lucky Joe hat seit Jahren niemand mehr gesehen. Er hatte sich mit dem gemeinen Robert de Silva angelegt, seines Zeichens Bauunternehmer hier im Wilden Westen. Es war zum Duell gekommen, und Lucky Joe, der der schlechteste Schütze vom Saloon bis zur Final Frontier war, hatte wohl daran glauben müssen. Kein Wunder. Davor hatte er schon drei Duelle überlebt, trotz seiner Schwäche mit dem Revolver. Im Wilden Westen hat niemand mehr als drei Mal Glück. Ihre Chancen ihren Vater zu finden stehen also denkbar schlecht.

Da wird sie von etwas gepackt, von einem Mann, oder zumindest der Idee eines Mannes, der sie zum Comanchen-Häuptling Schmauchende Pfeife bringt. Dieser Mann scheint ein Indianer-Sympathisant zu sein, versorgt er doch die Komantschen mit wichtigen Informationen zu einem Staudamm, dessen Bau die Weidegründe des Stammes überschwemmen würde. Bei den Komantschen angekommen dreht der Mann sich zu ihr, sieht sie, an und eröffnet es ihr: „Ich bin dein Vater“.

Damit ist klar, sie muss Robert de Silva töten, zum einen um den Bau des Staudamms zu verhindern (denn wer sonst könnte hinter einem solchen geldgierig und gedankenlosen Vorhaben stecken), zum anderen aber vor allem damit ihr Vater aus dem Untergrund auftauchen und ein ungefährdetes Leben mit ihr führen kann. Aber wie? Würde Lucky Joe selbst Robert de Silva zum Duell herausforden, dann müsste dieser wohl kommen, aber kann man das riskieren? Er hatte ja schon drei Mal Glück. Da hilft Frida mit ihren magischen Tränken. Die junge Frau ohne Namen nimmt die Gestalt ihres Vaters an, und so begegnet Robert de Silva ein zweites Mal der Gestalt von Lucky Joe zum Duell…unter der sengenden Sonne.

Die Kirchturmuhr schlägt drei Mal. Robert de Silva lacht hämisch. Jeder weiß doch, dass Lucky Joe der schlechteste Schütze von hier bis zur Final Frontier ist. Mit der Stimme ihres Vaters im Ohr zieht unsere Heldin den Revolver und schießt…und trifft…und blickt dem Geist ihres Vaters, beschworen von den Komanchen, nach, wie er nun, da er gerächt ist, in die ewigen Jagdgründe eingehen kann, und in die Annalen des Wilden Westens.

Abgesehen davon…

…haben uns an diesem Abend noch der U4-Troll beehrt, und Flavius, der 600 nach Christi etwas besonders Schlimmes angestellt haben muss, den darauffolgenden Folterszenen nach zu urteilen, und natürlich der 45-Jährige, der den jungen Damen an Kaisers Hofe offenbar den Kopf verdreht, vor allem mit seinen heißen Stützstrümpfen, so dass seine Verlobte ihm allmorgendlich die Frage stellen muss „Hast du mit ihr, oder hast du nicht?“.

Zu solchen Dates muss man natürlich angemessen gekleidet sein, weshalb es essenziell für die Dame sein kann, ob die rot gefärbte Feder einem Huhn, einer Pute oder einem Truthahn entstammt – und ob das alles alphabethisch mit rechten Dingen zugeht, trotz verfrühter Xpress-Lieferung.

Dating kann überhaupt so eine Sache sein. Wird man sich einmal erst so richtig aller Verschwörungen dieser Welt bewusst, dann muss der Lover schon mehrere Sicherheitsschleusen passieren, um ins traute Heim der schönen Dame zu kommen; und Selbiges gilt natürlich auch für den extra dazu bestellten Lover für die Schwester – fair ist fair. Einsam zurück bleibt dann nur die einzelne Ringelsocke, deren Partner sich aufgemacht hat, durch die unendlichen Weiten der Waschmaschine…vielleicht bis ins Meer, nach welchem man sich ganz besonders berührenderweise zutiefst sehnen kann.

Und damit reiten wir in den Sonnenuntergang, mit Stacheln im Po und einem Lied im Herzen. Dankeschön an alle, die dabei waren, allen voran natürlich Barbara Willensdorfer vom Improvista Social Club, unserer namenlosen Heldin die *immer* zuerst dran kommt, selbst wenn sie Nummer 13 ist, und auch dann noch so charmant ist, dass man ihr gar nicht gram sein kann.

(js)

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