12vorFuchs Improvisationstheater

12 vor Fuchs: Ein Abschiedsjahr

Rückblick, Einblick, Ausblick…

Ungefähr 15 Jahre waren das, in denen wir voller Freude spielen, gemeinsam mit dem Publikum und unseren Workshop-TeilnehmerInnen neue Welten entdecken und tolle Erfahrungen machen durften.

Es war eine wunderbare Zeit, in der wir als Gruppe Impro entdecken, feiern und gemeinsam erleben durften. 15 Jahre, in denen wir viel lernen, viel spielen, und letztlich auch viel weitergeben konnten. Das macht uns froh, glücklich und ehrt uns. Es ist schön, ein Teil der Wiener Improszene zu sein. Und wie es halt bei Impro und im Leben so ist: Konstant ist nur die Veränderung.

12 vor Fuchs wird es in dieser Form am Ende des kommenden Improjahres nicht mehr geben.

Das bedeutet: wir spielen in diesem Jahr 4 letzte Shows, 2 MeisterInnen aller Töpfe, und sind noch einmal beim Wiener Impro-Derby dabei. 

Auch Workshops und das Offene Training wird es in diesem Jahr – bis zum Juni 2024 – noch geben. 

Einige von uns werden danach als TrainerInnen und SpielerInnen weiterhin Teil der Wiener Improszene sein, andere werden ihre Improschuhe liebevoll an den Nagel hängen.

Viele von euch waren ein essentieller Teil dieser schönen Zeit. Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen, diese 15 Jahre mit so viel Freude und Spiel zu füllen! Vielen Dank für eure tolle Unterstützung und euer Dasein.

Wir freuen uns darauf, dieses Jahr noch einmal gemeinsam mit euch zu feiern.
Bis bald!


Schöne Worte zum Abschied?
Gibt es einen schönen Moment, vielleicht etwas, was du gelernt hast, etwas, was du bei uns, oder mit uns erlebt hast? Einen Gedanken, den du mit uns teilen möchtest?
Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn du uns hier ein Kommentar lässt!

12vF 20230901Abschied Mail

Back again – Du spielst nie zweimal in der selben Improgruppe

Irene

2003 hab ich mich in Impro verliebt. Nach dem ersten Workshop wusste ich: ich will mit Menschen spielen (… und das darf durchaus auch größenwahnsinnig im göttlichen Sinn verstanden werden 🙂 ). Das Faszinierende war, dass ich nie im Vorhinein wusste, wie es ausgeht. Dazu muss man sagen: ich mag Pläne extrem gerne. Manche Leute gehen so weit und attestieren mir „Kontrollsucht“. Ich würde sagen: die übertreiben nicht. Ich hab sehr gerne Plan A, B, C, D und manchmal sogar noch E. Auch F soll schon mal vorgekommen sein! Beim Impro war ich trotz verschiedener Pläne immer wieder aufs Neue überrascht. Manchmal positiv überrascht, manchmal nicht so, aber es war zumindest nie langweilig. Und Langeweile kann ich echt schwer ertragen…

2010 – das verflixte siebte Jahr später, 12 vor Fuchs gab es seit drei Jahren – hatte ich dann einen Durchhänger. Eine künstlerische Riesenflaute. Ich war grad von einem Jahr Auslandsaufenthalt in den USA zurück, mitten im Reverse-Culture-Shock und hatte das Gefühl, künstlerisch gar nichts auf die Reihe zu kriegen. Singen auf der Bühne war eine Qual, und meine Charaktere haben mich alle gelangweilt. Die Gruppe war immer noch toll, aber ich hab mich selber in den Szenen nicht mehr erleben wollen. Ich hätte mich da natürlich durchbeißen können, aber das wollte ich Impro nicht antun. Ich hatte Angst, dass wir (Impro und ich) uns dann irgendwann hassen würden. Also hab ich beschlossen, aufzuhören. Die Füchse haben mir das so nicht durchgehen lassen und mir ein immer während gültiges Rückkehrticket in die „Auszeit“ – wie sie es genannt haben – mitgegeben. Dafür bin ich ihnen bis heute unendlich dankbar. :-*

Natürlich hab ich 12 vor Fuchs weiter von außen beobachtet und mitbekommen, was es an argen Weiterentwicklungen gab: Die Füchse sind zum ersten Mal nach Linz zu den Theatersportmeisterschaften gefahren, waren in Würzburg beim Impro-Festival dabei, die gemeinsamen Fuchs-Urlaube haben sich etabliert, die Gruppe hat sich verändert, künstlerisch weiterentwickelt und ist stärker zusammengewachsen. Ich hab mir nie gedacht, dass ich tatsächlich von meinem Ticket Gebrauch machen würde. Aber es ist gut aufgehoben in der Schublade gelegen und ab und zu hab ich es angeschaut, drüber gestreichelt, gelächelt und mir gedacht „hm, später vielleicht…“.

Später war dann 2015. Ein bisschen nervös bin ich mit dem Ticket in der Hand Stefan gegenüber gesessen und hab ihn gefragt, ob das denn immer noch gültig wäre. Er hat die Gruppe gefragt und die haben „ja“ gesagt. Völlig arg. Ich kann’s immer noch kaum glauben. Ich wär ja tendenziell eher streng mit mir gewesen. Wenn ich mich gegen was entscheide, dann kann ich dann nicht ein paar Tage (oder Jahre) später kommen und sagen „jetzt will ich doch wieder“. Das geht nicht. Wo kämen wir denn da hin! Entweder, oder. Hopp oder drop. Nix da herum lavieren! Sagt man ja auch, dass so aufgewärmte Sachen nicht gut sind. Einmal beendet, immer beendet. Und so weiter.. naja, in dem Fall war das alles Blödsinn.

Es ist großartig, zurück zu kommen! Die ersten Trainings waren zwar ziemlich aufregend und ich hab mich echt davor gefürchtet , bei der ersten Show mitzuspielen (ich kann mich noch genau erinnern: es war ein Topf im Irrlicht und ich hatte riesiges Lampenfieber), aber das hat sich ziemlich bald wieder gelegt. Warum? Weil die Füchse einfach so liebe und achtsame Menschen sind, die mich so herzlich in Empfang und wieder aufgenommen haben, dass es ganz leicht war, sich wieder dazugehörig zu fühlen.

Es ist nicht mehr dieselbe Improgruppe, in die ich mich verliebt hab, auch nicht dieselbe, die ich verlassen habe und nicht dieselbe, zu der ich zurückgekommen bin, aber für mich ist sie die beste Improgruppe der Welt.

(Irene, März 2019)

Irene
Foto: Mirella Rusch

Impro-Blog: Von Impro-Nazis, der Angst und der Freiheit

Impronazi Bild

Willst du die totale Freiheit?

Als ich mit dem Improspielen anfing, war es unter anderem das, was auf mich so verlockend wirkte: dieses unglaubliche Versprechen der ungebundenen und unregulierten Spielfreude, der Freiheit im Spiel – denn schließlich ist es ja bei Impro so: „you just make stuff up as you go along!“ Spielen also, und einfach schauen was dabei rauskommt. Kein Regisseur, kein Skript. Wow, ein verrücktes und wunderbares Versprechen.
Ich hatte davor schon so manchen Kontakt zu Regisseuren gehabt. Und das waren nicht immer gute Erfahrungen. Es waren Despoten darunter, Narzissten, Kontrolleure, Visionäre, Napoleons und Neros. Nicht allen, aber doch einigen gemein war das bleibende Gefühl, dass es der Seele nicht gut täte, unter solchen Menschen zu arbeiten.

Genug Gründe also, sich ein paar Jahre später freien Herzens und frohen Mutes in das Abenteuer Impro zu stürzen, in die volle Freiheit.

Und so begann es auch: wie ein junger Hundewelpe hopst man fröhlich über die Improbühne, gleich einem Schmetterling auf einer Frühlingswiese, jedes Angebot und jede Idee annehmend, die des Weges kommen möge. Man hat ein neues Hobby. Es ist wunderbar. Es macht so viel Spaß. Es gibt so viel Freiheit. Man kann machen, was man will. Oder fast.
Weil, früher oder später merkt man doch: Hm, manche Szenen funktionieren einfach besser als andere. Manche sind lustiger, berühren mehr, sind einfach spannender zum Spielen, oder zum Zuschauen.

Er ist wieder da

Impronazi Bild Und das ist die Geburt vom kleinen Impronazi. Und die geht so:

Du spielst also Impro, hast jetzt schon die ersten paar Jahre hinter dir; die ersten Workshops gemacht, hast vielleicht auch schon eine Gruppe an Leuten, mit denen du regelmäßig spielst. Und da fängt das dann an, die Sachen mit dem „Pflichtenheft“, oder dem Regelbüchlein. Die do’s und dont’s einer Szene, welche dir verschiedene Bücher, Workshopleiter_innen oder KollegInnen mehr oder weniger subtil nähergebracht haben.

Ja! sagen, konstruktiv sein, vorwärts gehen. Sachen benennen, das WerWoWas schnell klar machen. Gut, soweit so klar. Eventuell auch: bitte keine Szenen am Klo, nicht in der Sauna. Kinder spielen ist mühsam, anderes Geschlecht eher auch. Bitte keine Drogenszenen, Verfolgungsjagden derspielt man eh nicht, Missbrauchsgeschichten sind wirklich eher bäh, Annemarie mag kein Science Fiction, und der Hannes hat es böse mit dem Knie, also bitte nicht zu viel Action mit ihm. Naja, und Nazi-Szenen sind sowieso ziemlich verpönt. Geht sich einfach nicht aus.

Und so, Stück für Stück, über die Jahre, passiert etwas: du erlernst ein Handwerk, gepaart mit einem Regelwerk. Du entwickelst ein Gespür, oder verinnerlichst diese Regeln, die dir helfen sollen – und hoffentlich auch helfen – bessere Szenen zu spielen. Zugleich engt dich dieses Wissen auch immer weiter ein.

Denn du bezahlst dieses Wissen zum Teil mit der Freiheit, wegen der du mit Impro angefangen hast.

Die Zwei

Und dann gibt es da die Zwei. Bei mir sind es zwei Männer, sie heißen Herr Kowitzki und Herr Fönbichler. Kowitzki ist Deutscher, Fönbichler ist Wiener. Die sitzen dann in meinem Kopf, manchmal im Publikum. Sie sind von Beruf Inspizienten. Die haben so eine Checkliste, einen Pflichtenkatalog. Wenn sie zuschauen bei einer Szene, dann hakeln die ab: „Aaaah, sehr schön ge-yes-and-et. Mhm. Objektkonstanz unzureichend, Glas nicht auf Tisch abgestellt, mangelhaft, das gibt Abzüge… Oooh, Beziehung nicht klar gemacht, gar nicht gut… Ja, und wo sind wir? Der Ort? Hm? Der Ort?? Und worum genau geht’s jetzt in der Szene??“

So geht das dahin. Manchmal sind Kowitzki und Fönbichler so laut, dass ich die Szene gar nicht mehr hören kann. Manchmal sind sie so streng und so von sich und ihren Regeln überzeugt, dass sie gar keinen Platz mehr lassen, um mal etwas Neues auszuprobieren. Sie habe ich meine inneren kleinen Impro-Nazis genannt. Weil sie die Regeln sehr wichtig finden, und ganz ungehalten werden, wenn die nicht eingehalten werden, und manchmal ganz schön streng sind.

Impronazi2 Bild

Wenn man dann selber schon seit längerem spielt, vor allem wenn man selber Kurse und Workshops leitet, können die echt zum Problem werden. Weil: du willst den Leuten (und dir selbst) die Spielfreude, die Frühlingswiese der ersten Tage vermitteln, dieses Gefühl von Freiheit. Aber: du willst auch, dass sie möglichst schnell zu guten, bedeutungsvollen Szenen kommen. Und gerade bei einer scheinbar so freien Form wie Impro scheint das Hirn nach irgendwelchen Regeln zu lechzen, an denen es sich anhalten kann. Und scheint es diese auch zu brauchen, damit die Szene nicht den Bach runtergeht. Und du hast du auch die Erfahrung gemacht, dass diese Regeln und Handwerkzeuge durchaus Sinn machen. Und letztlich wird auch dein Bedürfnis und deine Lust nach Improszenen, die nirgendwohin gehen, immer enden wollender.

Und schließlich steht das alles ja auch in so vielen klugen Büchern drin! Kann also nicht so falsch sein, oder?

Gefahren_gut

Ist es auch nicht. Oder: vielleicht nicht. Ich glaube, es geht um die Gefahren; und um das Bewusstsein.
Die Gefahr ist, nur mehr mit dem Pflichtenheft Impro zu spielen oder zu schauen, nur mehr mentale Stricherl-Listen abzuhaken und Fehler zu suchen. Dann ist er weg, der Improzauber. Das Bewusstsein: dass manchmal gar großartige Szenen entstehen können, die auf all diese Regeln aber sowas von pfeifen, dass es Fönbichler fallweise das Toupet aufstellt. Die Bereitschaft, sich auch auf solche Szenen einzulassen, auch wenn Kowitzki am liebsten im Stechschritt den Raum verlassen wollte. Und die Schwierigkeit, schnell zu entscheiden, wann man darauf achtet, und wann nicht.

Denn das ist sie, die wahrlich wahnwitzige Quadratur des Kreises: dass all diese Regeln einerseits den totalen (toootaaaalääään!!) Sinn ergeben, und echt hilfreich sein können; dass andererseits, wenn man sich nur mehr darauf konzentriert, man irgendwann den Spaß am Impro verlieren kann, weil man nicht mehr frei ist, und irgendwann das Netz, ohne dem zu spielen man glaubte, so engmaschig gestrickt ist, dass man jede Szene darin liegend beginnt, anstatt nackt auf einem Vulkan tanzend.
Das wäre sie also wohl, die improvisatorische Perfektion: all die Regeln und das Handwerk verinnerlicht zu haben, um dann – intuitiv und in Sekundenbruchteilen – entscheiden zu können, wann man diese braucht, und wann man volle Kanone auf sie pfeift.

Ich jedenfalls habe einen Vorsatz fürs nächste Jahr: ich möchte wieder mehr Szenen spielen, wo ich als Nazi Drogen am Klo nehme.
Die totale Freiheit.


Schatz Gollum

 

Marcus Czerwenka ist Improspieler, Improtrainer, freut sich gerade auf seinen nächsten Workshop und spielt für sein Leben gern Impro.

Shows für Schulen

Improtheater-Shows sind spontan, greifen die Anregungen der SchülerInnen auf, und machen verdammt viel Spaß.
Dieses Theater entsteht im Moment, ist unmittelbar und unwiederholbar.
Gemeinsam mit dem Publikum lassen die SpielerInnen einzigartige Geschichten und neue Welten entstehen – nicht zuletzt deshalb fasziniert es auch junge Menschen ganz besonders.

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12 vor Fuchs: Ein Abschiedsjahr

Rückblick, Einblick, Ausblick…

Ungefähr 15 Jahre waren das, in denen wir voller Freude spielen, gemeinsam mit dem Publikum und unseren Workshop-TeilnehmerInnen neue Welten entdecken und tolle Erfahrungen machen durften.

Es war eine wunderbare Zeit, in der wir als Gruppe Impro entdecken, feiern und gemeinsam erleben durften. 15 Jahre, in denen wir viel lernen, viel spielen, und letztlich auch viel weitergeben konnten. Das macht uns froh, glücklich und ehrt uns. Es ist schön, ein Teil der Wiener Improszene zu sein. Und wie es halt bei Impro und im Leben so ist: Konstant ist nur die Veränderung.

12 vor Fuchs wird es in dieser Form am Ende des kommenden Improjahres nicht mehr geben.

Das bedeutet: wir spielen in diesem Jahr 4 letzte Shows, 2 MeisterInnen aller Töpfe, und sind noch einmal beim Wiener Impro-Derby dabei. 

Auch Workshops und das Offene Training wird es in diesem Jahr – bis zum Juni 2024 – noch geben. 

Einige von uns werden danach als TrainerInnen und SpielerInnen weiterhin Teil der Wiener Improszene sein, andere werden ihre Improschuhe liebevoll an den Nagel hängen.

Viele von euch waren ein essentieller Teil dieser schönen Zeit. Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen, diese 15 Jahre mit so viel Freude und Spiel zu füllen! Vielen Dank für eure tolle Unterstützung und euer Dasein.

Wir freuen uns darauf, dieses Jahr noch einmal gemeinsam mit euch zu feiern.
Bis bald!


Schöne Worte zum Abschied?
Gibt es einen schönen Moment, vielleicht etwas, was du gelernt hast, etwas, was du bei uns, oder mit uns erlebt hast? Einen Gedanken, den du mit uns teilen möchtest?
Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn du uns hier ein Kommentar lässt!

12vF 20230901Abschied Mail

Back again – Du spielst nie zweimal in der selben Improgruppe

Irene

2003 hab ich mich in Impro verliebt. Nach dem ersten Workshop wusste ich: ich will mit Menschen spielen (… und das darf durchaus auch größenwahnsinnig im göttlichen Sinn verstanden werden 🙂 ). Das Faszinierende war, dass ich nie im Vorhinein wusste, wie es ausgeht. Dazu muss man sagen: ich mag Pläne extrem gerne. Manche Leute gehen so weit und attestieren mir „Kontrollsucht“. Ich würde sagen: die übertreiben nicht. Ich hab sehr gerne Plan A, B, C, D und manchmal sogar noch E. Auch F soll schon mal vorgekommen sein! Beim Impro war ich trotz verschiedener Pläne immer wieder aufs Neue überrascht. Manchmal positiv überrascht, manchmal nicht so, aber es war zumindest nie langweilig. Und Langeweile kann ich echt schwer ertragen…

2010 – das verflixte siebte Jahr später, 12 vor Fuchs gab es seit drei Jahren – hatte ich dann einen Durchhänger. Eine künstlerische Riesenflaute. Ich war grad von einem Jahr Auslandsaufenthalt in den USA zurück, mitten im Reverse-Culture-Shock und hatte das Gefühl, künstlerisch gar nichts auf die Reihe zu kriegen. Singen auf der Bühne war eine Qual, und meine Charaktere haben mich alle gelangweilt. Die Gruppe war immer noch toll, aber ich hab mich selber in den Szenen nicht mehr erleben wollen. Ich hätte mich da natürlich durchbeißen können, aber das wollte ich Impro nicht antun. Ich hatte Angst, dass wir (Impro und ich) uns dann irgendwann hassen würden. Also hab ich beschlossen, aufzuhören. Die Füchse haben mir das so nicht durchgehen lassen und mir ein immer während gültiges Rückkehrticket in die „Auszeit“ – wie sie es genannt haben – mitgegeben. Dafür bin ich ihnen bis heute unendlich dankbar. :-*

Natürlich hab ich 12 vor Fuchs weiter von außen beobachtet und mitbekommen, was es an argen Weiterentwicklungen gab: Die Füchse sind zum ersten Mal nach Linz zu den Theatersportmeisterschaften gefahren, waren in Würzburg beim Impro-Festival dabei, die gemeinsamen Fuchs-Urlaube haben sich etabliert, die Gruppe hat sich verändert, künstlerisch weiterentwickelt und ist stärker zusammengewachsen. Ich hab mir nie gedacht, dass ich tatsächlich von meinem Ticket Gebrauch machen würde. Aber es ist gut aufgehoben in der Schublade gelegen und ab und zu hab ich es angeschaut, drüber gestreichelt, gelächelt und mir gedacht „hm, später vielleicht…“.

Später war dann 2015. Ein bisschen nervös bin ich mit dem Ticket in der Hand Stefan gegenüber gesessen und hab ihn gefragt, ob das denn immer noch gültig wäre. Er hat die Gruppe gefragt und die haben „ja“ gesagt. Völlig arg. Ich kann’s immer noch kaum glauben. Ich wär ja tendenziell eher streng mit mir gewesen. Wenn ich mich gegen was entscheide, dann kann ich dann nicht ein paar Tage (oder Jahre) später kommen und sagen „jetzt will ich doch wieder“. Das geht nicht. Wo kämen wir denn da hin! Entweder, oder. Hopp oder drop. Nix da herum lavieren! Sagt man ja auch, dass so aufgewärmte Sachen nicht gut sind. Einmal beendet, immer beendet. Und so weiter.. naja, in dem Fall war das alles Blödsinn.

Es ist großartig, zurück zu kommen! Die ersten Trainings waren zwar ziemlich aufregend und ich hab mich echt davor gefürchtet , bei der ersten Show mitzuspielen (ich kann mich noch genau erinnern: es war ein Topf im Irrlicht und ich hatte riesiges Lampenfieber), aber das hat sich ziemlich bald wieder gelegt. Warum? Weil die Füchse einfach so liebe und achtsame Menschen sind, die mich so herzlich in Empfang und wieder aufgenommen haben, dass es ganz leicht war, sich wieder dazugehörig zu fühlen.

Es ist nicht mehr dieselbe Improgruppe, in die ich mich verliebt hab, auch nicht dieselbe, die ich verlassen habe und nicht dieselbe, zu der ich zurückgekommen bin, aber für mich ist sie die beste Improgruppe der Welt.

(Irene, März 2019)

Irene
Foto: Mirella Rusch

Impro-Blog: Von Impro-Nazis, der Angst und der Freiheit

Impronazi Bild

Willst du die totale Freiheit?

Als ich mit dem Improspielen anfing, war es unter anderem das, was auf mich so verlockend wirkte: dieses unglaubliche Versprechen der ungebundenen und unregulierten Spielfreude, der Freiheit im Spiel – denn schließlich ist es ja bei Impro so: „you just make stuff up as you go along!“ Spielen also, und einfach schauen was dabei rauskommt. Kein Regisseur, kein Skript. Wow, ein verrücktes und wunderbares Versprechen.
Ich hatte davor schon so manchen Kontakt zu Regisseuren gehabt. Und das waren nicht immer gute Erfahrungen. Es waren Despoten darunter, Narzissten, Kontrolleure, Visionäre, Napoleons und Neros. Nicht allen, aber doch einigen gemein war das bleibende Gefühl, dass es der Seele nicht gut täte, unter solchen Menschen zu arbeiten.

Genug Gründe also, sich ein paar Jahre später freien Herzens und frohen Mutes in das Abenteuer Impro zu stürzen, in die volle Freiheit.

Und so begann es auch: wie ein junger Hundewelpe hopst man fröhlich über die Improbühne, gleich einem Schmetterling auf einer Frühlingswiese, jedes Angebot und jede Idee annehmend, die des Weges kommen möge. Man hat ein neues Hobby. Es ist wunderbar. Es macht so viel Spaß. Es gibt so viel Freiheit. Man kann machen, was man will. Oder fast.
Weil, früher oder später merkt man doch: Hm, manche Szenen funktionieren einfach besser als andere. Manche sind lustiger, berühren mehr, sind einfach spannender zum Spielen, oder zum Zuschauen.

Er ist wieder da

Impronazi Bild Und das ist die Geburt vom kleinen Impronazi. Und die geht so:

Du spielst also Impro, hast jetzt schon die ersten paar Jahre hinter dir; die ersten Workshops gemacht, hast vielleicht auch schon eine Gruppe an Leuten, mit denen du regelmäßig spielst. Und da fängt das dann an, die Sachen mit dem „Pflichtenheft“, oder dem Regelbüchlein. Die do’s und dont’s einer Szene, welche dir verschiedene Bücher, Workshopleiter_innen oder KollegInnen mehr oder weniger subtil nähergebracht haben.

Ja! sagen, konstruktiv sein, vorwärts gehen. Sachen benennen, das WerWoWas schnell klar machen. Gut, soweit so klar. Eventuell auch: bitte keine Szenen am Klo, nicht in der Sauna. Kinder spielen ist mühsam, anderes Geschlecht eher auch. Bitte keine Drogenszenen, Verfolgungsjagden derspielt man eh nicht, Missbrauchsgeschichten sind wirklich eher bäh, Annemarie mag kein Science Fiction, und der Hannes hat es böse mit dem Knie, also bitte nicht zu viel Action mit ihm. Naja, und Nazi-Szenen sind sowieso ziemlich verpönt. Geht sich einfach nicht aus.

Und so, Stück für Stück, über die Jahre, passiert etwas: du erlernst ein Handwerk, gepaart mit einem Regelwerk. Du entwickelst ein Gespür, oder verinnerlichst diese Regeln, die dir helfen sollen – und hoffentlich auch helfen – bessere Szenen zu spielen. Zugleich engt dich dieses Wissen auch immer weiter ein.

Denn du bezahlst dieses Wissen zum Teil mit der Freiheit, wegen der du mit Impro angefangen hast.

Die Zwei

Und dann gibt es da die Zwei. Bei mir sind es zwei Männer, sie heißen Herr Kowitzki und Herr Fönbichler. Kowitzki ist Deutscher, Fönbichler ist Wiener. Die sitzen dann in meinem Kopf, manchmal im Publikum. Sie sind von Beruf Inspizienten. Die haben so eine Checkliste, einen Pflichtenkatalog. Wenn sie zuschauen bei einer Szene, dann hakeln die ab: „Aaaah, sehr schön ge-yes-and-et. Mhm. Objektkonstanz unzureichend, Glas nicht auf Tisch abgestellt, mangelhaft, das gibt Abzüge… Oooh, Beziehung nicht klar gemacht, gar nicht gut… Ja, und wo sind wir? Der Ort? Hm? Der Ort?? Und worum genau geht’s jetzt in der Szene??“

So geht das dahin. Manchmal sind Kowitzki und Fönbichler so laut, dass ich die Szene gar nicht mehr hören kann. Manchmal sind sie so streng und so von sich und ihren Regeln überzeugt, dass sie gar keinen Platz mehr lassen, um mal etwas Neues auszuprobieren. Sie habe ich meine inneren kleinen Impro-Nazis genannt. Weil sie die Regeln sehr wichtig finden, und ganz ungehalten werden, wenn die nicht eingehalten werden, und manchmal ganz schön streng sind.

Impronazi2 Bild

Wenn man dann selber schon seit längerem spielt, vor allem wenn man selber Kurse und Workshops leitet, können die echt zum Problem werden. Weil: du willst den Leuten (und dir selbst) die Spielfreude, die Frühlingswiese der ersten Tage vermitteln, dieses Gefühl von Freiheit. Aber: du willst auch, dass sie möglichst schnell zu guten, bedeutungsvollen Szenen kommen. Und gerade bei einer scheinbar so freien Form wie Impro scheint das Hirn nach irgendwelchen Regeln zu lechzen, an denen es sich anhalten kann. Und scheint es diese auch zu brauchen, damit die Szene nicht den Bach runtergeht. Und du hast du auch die Erfahrung gemacht, dass diese Regeln und Handwerkzeuge durchaus Sinn machen. Und letztlich wird auch dein Bedürfnis und deine Lust nach Improszenen, die nirgendwohin gehen, immer enden wollender.

Und schließlich steht das alles ja auch in so vielen klugen Büchern drin! Kann also nicht so falsch sein, oder?

Gefahren_gut

Ist es auch nicht. Oder: vielleicht nicht. Ich glaube, es geht um die Gefahren; und um das Bewusstsein.
Die Gefahr ist, nur mehr mit dem Pflichtenheft Impro zu spielen oder zu schauen, nur mehr mentale Stricherl-Listen abzuhaken und Fehler zu suchen. Dann ist er weg, der Improzauber. Das Bewusstsein: dass manchmal gar großartige Szenen entstehen können, die auf all diese Regeln aber sowas von pfeifen, dass es Fönbichler fallweise das Toupet aufstellt. Die Bereitschaft, sich auch auf solche Szenen einzulassen, auch wenn Kowitzki am liebsten im Stechschritt den Raum verlassen wollte. Und die Schwierigkeit, schnell zu entscheiden, wann man darauf achtet, und wann nicht.

Denn das ist sie, die wahrlich wahnwitzige Quadratur des Kreises: dass all diese Regeln einerseits den totalen (toootaaaalääään!!) Sinn ergeben, und echt hilfreich sein können; dass andererseits, wenn man sich nur mehr darauf konzentriert, man irgendwann den Spaß am Impro verlieren kann, weil man nicht mehr frei ist, und irgendwann das Netz, ohne dem zu spielen man glaubte, so engmaschig gestrickt ist, dass man jede Szene darin liegend beginnt, anstatt nackt auf einem Vulkan tanzend.
Das wäre sie also wohl, die improvisatorische Perfektion: all die Regeln und das Handwerk verinnerlicht zu haben, um dann – intuitiv und in Sekundenbruchteilen – entscheiden zu können, wann man diese braucht, und wann man volle Kanone auf sie pfeift.

Ich jedenfalls habe einen Vorsatz fürs nächste Jahr: ich möchte wieder mehr Szenen spielen, wo ich als Nazi Drogen am Klo nehme.
Die totale Freiheit.


Schatz Gollum

 

Marcus Czerwenka ist Improspieler, Improtrainer, freut sich gerade auf seinen nächsten Workshop und spielt für sein Leben gern Impro.

Private Shows

Im Grunde gibt es kaum eine Gelegenheit, zu der man nicht improvisieren könnte…

So haben 12 vor Fuchs bereits bei einer Vielzahl von privaten wie auch beruflichen Anlässen erfolgreich gespielt, und einen Beitrag zu einem gelungenen Abend oder einem erinnerungswürdigen Fest geleistet.

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12 vor Fuchs: Ein Abschiedsjahr

Rückblick, Einblick, Ausblick…

Ungefähr 15 Jahre waren das, in denen wir voller Freude spielen, gemeinsam mit dem Publikum und unseren Workshop-TeilnehmerInnen neue Welten entdecken und tolle Erfahrungen machen durften.

Es war eine wunderbare Zeit, in der wir als Gruppe Impro entdecken, feiern und gemeinsam erleben durften. 15 Jahre, in denen wir viel lernen, viel spielen, und letztlich auch viel weitergeben konnten. Das macht uns froh, glücklich und ehrt uns. Es ist schön, ein Teil der Wiener Improszene zu sein. Und wie es halt bei Impro und im Leben so ist: Konstant ist nur die Veränderung.

12 vor Fuchs wird es in dieser Form am Ende des kommenden Improjahres nicht mehr geben.

Das bedeutet: wir spielen in diesem Jahr 4 letzte Shows, 2 MeisterInnen aller Töpfe, und sind noch einmal beim Wiener Impro-Derby dabei. 

Auch Workshops und das Offene Training wird es in diesem Jahr – bis zum Juni 2024 – noch geben. 

Einige von uns werden danach als TrainerInnen und SpielerInnen weiterhin Teil der Wiener Improszene sein, andere werden ihre Improschuhe liebevoll an den Nagel hängen.

Viele von euch waren ein essentieller Teil dieser schönen Zeit. Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen, diese 15 Jahre mit so viel Freude und Spiel zu füllen! Vielen Dank für eure tolle Unterstützung und euer Dasein.

Wir freuen uns darauf, dieses Jahr noch einmal gemeinsam mit euch zu feiern.
Bis bald!


Schöne Worte zum Abschied?
Gibt es einen schönen Moment, vielleicht etwas, was du gelernt hast, etwas, was du bei uns, oder mit uns erlebt hast? Einen Gedanken, den du mit uns teilen möchtest?
Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn du uns hier ein Kommentar lässt!

12vF 20230901Abschied Mail

Back again – Du spielst nie zweimal in der selben Improgruppe

Irene

2003 hab ich mich in Impro verliebt. Nach dem ersten Workshop wusste ich: ich will mit Menschen spielen (… und das darf durchaus auch größenwahnsinnig im göttlichen Sinn verstanden werden 🙂 ). Das Faszinierende war, dass ich nie im Vorhinein wusste, wie es ausgeht. Dazu muss man sagen: ich mag Pläne extrem gerne. Manche Leute gehen so weit und attestieren mir „Kontrollsucht“. Ich würde sagen: die übertreiben nicht. Ich hab sehr gerne Plan A, B, C, D und manchmal sogar noch E. Auch F soll schon mal vorgekommen sein! Beim Impro war ich trotz verschiedener Pläne immer wieder aufs Neue überrascht. Manchmal positiv überrascht, manchmal nicht so, aber es war zumindest nie langweilig. Und Langeweile kann ich echt schwer ertragen…

2010 – das verflixte siebte Jahr später, 12 vor Fuchs gab es seit drei Jahren – hatte ich dann einen Durchhänger. Eine künstlerische Riesenflaute. Ich war grad von einem Jahr Auslandsaufenthalt in den USA zurück, mitten im Reverse-Culture-Shock und hatte das Gefühl, künstlerisch gar nichts auf die Reihe zu kriegen. Singen auf der Bühne war eine Qual, und meine Charaktere haben mich alle gelangweilt. Die Gruppe war immer noch toll, aber ich hab mich selber in den Szenen nicht mehr erleben wollen. Ich hätte mich da natürlich durchbeißen können, aber das wollte ich Impro nicht antun. Ich hatte Angst, dass wir (Impro und ich) uns dann irgendwann hassen würden. Also hab ich beschlossen, aufzuhören. Die Füchse haben mir das so nicht durchgehen lassen und mir ein immer während gültiges Rückkehrticket in die „Auszeit“ – wie sie es genannt haben – mitgegeben. Dafür bin ich ihnen bis heute unendlich dankbar. :-*

Natürlich hab ich 12 vor Fuchs weiter von außen beobachtet und mitbekommen, was es an argen Weiterentwicklungen gab: Die Füchse sind zum ersten Mal nach Linz zu den Theatersportmeisterschaften gefahren, waren in Würzburg beim Impro-Festival dabei, die gemeinsamen Fuchs-Urlaube haben sich etabliert, die Gruppe hat sich verändert, künstlerisch weiterentwickelt und ist stärker zusammengewachsen. Ich hab mir nie gedacht, dass ich tatsächlich von meinem Ticket Gebrauch machen würde. Aber es ist gut aufgehoben in der Schublade gelegen und ab und zu hab ich es angeschaut, drüber gestreichelt, gelächelt und mir gedacht „hm, später vielleicht…“.

Später war dann 2015. Ein bisschen nervös bin ich mit dem Ticket in der Hand Stefan gegenüber gesessen und hab ihn gefragt, ob das denn immer noch gültig wäre. Er hat die Gruppe gefragt und die haben „ja“ gesagt. Völlig arg. Ich kann’s immer noch kaum glauben. Ich wär ja tendenziell eher streng mit mir gewesen. Wenn ich mich gegen was entscheide, dann kann ich dann nicht ein paar Tage (oder Jahre) später kommen und sagen „jetzt will ich doch wieder“. Das geht nicht. Wo kämen wir denn da hin! Entweder, oder. Hopp oder drop. Nix da herum lavieren! Sagt man ja auch, dass so aufgewärmte Sachen nicht gut sind. Einmal beendet, immer beendet. Und so weiter.. naja, in dem Fall war das alles Blödsinn.

Es ist großartig, zurück zu kommen! Die ersten Trainings waren zwar ziemlich aufregend und ich hab mich echt davor gefürchtet , bei der ersten Show mitzuspielen (ich kann mich noch genau erinnern: es war ein Topf im Irrlicht und ich hatte riesiges Lampenfieber), aber das hat sich ziemlich bald wieder gelegt. Warum? Weil die Füchse einfach so liebe und achtsame Menschen sind, die mich so herzlich in Empfang und wieder aufgenommen haben, dass es ganz leicht war, sich wieder dazugehörig zu fühlen.

Es ist nicht mehr dieselbe Improgruppe, in die ich mich verliebt hab, auch nicht dieselbe, die ich verlassen habe und nicht dieselbe, zu der ich zurückgekommen bin, aber für mich ist sie die beste Improgruppe der Welt.

(Irene, März 2019)

Irene
Foto: Mirella Rusch

Impro-Blog: Von Impro-Nazis, der Angst und der Freiheit

Impronazi Bild

Willst du die totale Freiheit?

Als ich mit dem Improspielen anfing, war es unter anderem das, was auf mich so verlockend wirkte: dieses unglaubliche Versprechen der ungebundenen und unregulierten Spielfreude, der Freiheit im Spiel – denn schließlich ist es ja bei Impro so: „you just make stuff up as you go along!“ Spielen also, und einfach schauen was dabei rauskommt. Kein Regisseur, kein Skript. Wow, ein verrücktes und wunderbares Versprechen.
Ich hatte davor schon so manchen Kontakt zu Regisseuren gehabt. Und das waren nicht immer gute Erfahrungen. Es waren Despoten darunter, Narzissten, Kontrolleure, Visionäre, Napoleons und Neros. Nicht allen, aber doch einigen gemein war das bleibende Gefühl, dass es der Seele nicht gut täte, unter solchen Menschen zu arbeiten.

Genug Gründe also, sich ein paar Jahre später freien Herzens und frohen Mutes in das Abenteuer Impro zu stürzen, in die volle Freiheit.

Und so begann es auch: wie ein junger Hundewelpe hopst man fröhlich über die Improbühne, gleich einem Schmetterling auf einer Frühlingswiese, jedes Angebot und jede Idee annehmend, die des Weges kommen möge. Man hat ein neues Hobby. Es ist wunderbar. Es macht so viel Spaß. Es gibt so viel Freiheit. Man kann machen, was man will. Oder fast.
Weil, früher oder später merkt man doch: Hm, manche Szenen funktionieren einfach besser als andere. Manche sind lustiger, berühren mehr, sind einfach spannender zum Spielen, oder zum Zuschauen.

Er ist wieder da

Impronazi Bild Und das ist die Geburt vom kleinen Impronazi. Und die geht so:

Du spielst also Impro, hast jetzt schon die ersten paar Jahre hinter dir; die ersten Workshops gemacht, hast vielleicht auch schon eine Gruppe an Leuten, mit denen du regelmäßig spielst. Und da fängt das dann an, die Sachen mit dem „Pflichtenheft“, oder dem Regelbüchlein. Die do’s und dont’s einer Szene, welche dir verschiedene Bücher, Workshopleiter_innen oder KollegInnen mehr oder weniger subtil nähergebracht haben.

Ja! sagen, konstruktiv sein, vorwärts gehen. Sachen benennen, das WerWoWas schnell klar machen. Gut, soweit so klar. Eventuell auch: bitte keine Szenen am Klo, nicht in der Sauna. Kinder spielen ist mühsam, anderes Geschlecht eher auch. Bitte keine Drogenszenen, Verfolgungsjagden derspielt man eh nicht, Missbrauchsgeschichten sind wirklich eher bäh, Annemarie mag kein Science Fiction, und der Hannes hat es böse mit dem Knie, also bitte nicht zu viel Action mit ihm. Naja, und Nazi-Szenen sind sowieso ziemlich verpönt. Geht sich einfach nicht aus.

Und so, Stück für Stück, über die Jahre, passiert etwas: du erlernst ein Handwerk, gepaart mit einem Regelwerk. Du entwickelst ein Gespür, oder verinnerlichst diese Regeln, die dir helfen sollen – und hoffentlich auch helfen – bessere Szenen zu spielen. Zugleich engt dich dieses Wissen auch immer weiter ein.

Denn du bezahlst dieses Wissen zum Teil mit der Freiheit, wegen der du mit Impro angefangen hast.

Die Zwei

Und dann gibt es da die Zwei. Bei mir sind es zwei Männer, sie heißen Herr Kowitzki und Herr Fönbichler. Kowitzki ist Deutscher, Fönbichler ist Wiener. Die sitzen dann in meinem Kopf, manchmal im Publikum. Sie sind von Beruf Inspizienten. Die haben so eine Checkliste, einen Pflichtenkatalog. Wenn sie zuschauen bei einer Szene, dann hakeln die ab: „Aaaah, sehr schön ge-yes-and-et. Mhm. Objektkonstanz unzureichend, Glas nicht auf Tisch abgestellt, mangelhaft, das gibt Abzüge… Oooh, Beziehung nicht klar gemacht, gar nicht gut… Ja, und wo sind wir? Der Ort? Hm? Der Ort?? Und worum genau geht’s jetzt in der Szene??“

So geht das dahin. Manchmal sind Kowitzki und Fönbichler so laut, dass ich die Szene gar nicht mehr hören kann. Manchmal sind sie so streng und so von sich und ihren Regeln überzeugt, dass sie gar keinen Platz mehr lassen, um mal etwas Neues auszuprobieren. Sie habe ich meine inneren kleinen Impro-Nazis genannt. Weil sie die Regeln sehr wichtig finden, und ganz ungehalten werden, wenn die nicht eingehalten werden, und manchmal ganz schön streng sind.

Impronazi2 Bild

Wenn man dann selber schon seit längerem spielt, vor allem wenn man selber Kurse und Workshops leitet, können die echt zum Problem werden. Weil: du willst den Leuten (und dir selbst) die Spielfreude, die Frühlingswiese der ersten Tage vermitteln, dieses Gefühl von Freiheit. Aber: du willst auch, dass sie möglichst schnell zu guten, bedeutungsvollen Szenen kommen. Und gerade bei einer scheinbar so freien Form wie Impro scheint das Hirn nach irgendwelchen Regeln zu lechzen, an denen es sich anhalten kann. Und scheint es diese auch zu brauchen, damit die Szene nicht den Bach runtergeht. Und du hast du auch die Erfahrung gemacht, dass diese Regeln und Handwerkzeuge durchaus Sinn machen. Und letztlich wird auch dein Bedürfnis und deine Lust nach Improszenen, die nirgendwohin gehen, immer enden wollender.

Und schließlich steht das alles ja auch in so vielen klugen Büchern drin! Kann also nicht so falsch sein, oder?

Gefahren_gut

Ist es auch nicht. Oder: vielleicht nicht. Ich glaube, es geht um die Gefahren; und um das Bewusstsein.
Die Gefahr ist, nur mehr mit dem Pflichtenheft Impro zu spielen oder zu schauen, nur mehr mentale Stricherl-Listen abzuhaken und Fehler zu suchen. Dann ist er weg, der Improzauber. Das Bewusstsein: dass manchmal gar großartige Szenen entstehen können, die auf all diese Regeln aber sowas von pfeifen, dass es Fönbichler fallweise das Toupet aufstellt. Die Bereitschaft, sich auch auf solche Szenen einzulassen, auch wenn Kowitzki am liebsten im Stechschritt den Raum verlassen wollte. Und die Schwierigkeit, schnell zu entscheiden, wann man darauf achtet, und wann nicht.

Denn das ist sie, die wahrlich wahnwitzige Quadratur des Kreises: dass all diese Regeln einerseits den totalen (toootaaaalääään!!) Sinn ergeben, und echt hilfreich sein können; dass andererseits, wenn man sich nur mehr darauf konzentriert, man irgendwann den Spaß am Impro verlieren kann, weil man nicht mehr frei ist, und irgendwann das Netz, ohne dem zu spielen man glaubte, so engmaschig gestrickt ist, dass man jede Szene darin liegend beginnt, anstatt nackt auf einem Vulkan tanzend.
Das wäre sie also wohl, die improvisatorische Perfektion: all die Regeln und das Handwerk verinnerlicht zu haben, um dann – intuitiv und in Sekundenbruchteilen – entscheiden zu können, wann man diese braucht, und wann man volle Kanone auf sie pfeift.

Ich jedenfalls habe einen Vorsatz fürs nächste Jahr: ich möchte wieder mehr Szenen spielen, wo ich als Nazi Drogen am Klo nehme.
Die totale Freiheit.


Schatz Gollum

 

Marcus Czerwenka ist Improspieler, Improtrainer, freut sich gerade auf seinen nächsten Workshop und spielt für sein Leben gern Impro.

Firmen-Shows

Wir bieten einen Act mit einem sympathischen und professionellen Auftreten, der auch einen Bezug zu Ihrer Firma, ihrem Verein, Ihrem Publikum herstellen kann. Und dabei auch noch richtig unterhaltsam ist.

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12 vor Fuchs: Ein Abschiedsjahr

Rückblick, Einblick, Ausblick…

Ungefähr 15 Jahre waren das, in denen wir voller Freude spielen, gemeinsam mit dem Publikum und unseren Workshop-TeilnehmerInnen neue Welten entdecken und tolle Erfahrungen machen durften.

Es war eine wunderbare Zeit, in der wir als Gruppe Impro entdecken, feiern und gemeinsam erleben durften. 15 Jahre, in denen wir viel lernen, viel spielen, und letztlich auch viel weitergeben konnten. Das macht uns froh, glücklich und ehrt uns. Es ist schön, ein Teil der Wiener Improszene zu sein. Und wie es halt bei Impro und im Leben so ist: Konstant ist nur die Veränderung.

12 vor Fuchs wird es in dieser Form am Ende des kommenden Improjahres nicht mehr geben.

Das bedeutet: wir spielen in diesem Jahr 4 letzte Shows, 2 MeisterInnen aller Töpfe, und sind noch einmal beim Wiener Impro-Derby dabei. 

Auch Workshops und das Offene Training wird es in diesem Jahr – bis zum Juni 2024 – noch geben. 

Einige von uns werden danach als TrainerInnen und SpielerInnen weiterhin Teil der Wiener Improszene sein, andere werden ihre Improschuhe liebevoll an den Nagel hängen.

Viele von euch waren ein essentieller Teil dieser schönen Zeit. Ohne euch wäre es nicht möglich gewesen, diese 15 Jahre mit so viel Freude und Spiel zu füllen! Vielen Dank für eure tolle Unterstützung und euer Dasein.

Wir freuen uns darauf, dieses Jahr noch einmal gemeinsam mit euch zu feiern.
Bis bald!


Schöne Worte zum Abschied?
Gibt es einen schönen Moment, vielleicht etwas, was du gelernt hast, etwas, was du bei uns, oder mit uns erlebt hast? Einen Gedanken, den du mit uns teilen möchtest?
Wir würden uns sehr darüber freuen, wenn du uns hier ein Kommentar lässt!

12vF 20230901Abschied Mail

Irene

Back again – Du spielst nie zweimal in der selben Improgruppe

2003 hab ich mich in Impro verliebt. Nach dem ersten Workshop wusste ich: ich will mit Menschen spielen (… und das darf durchaus auch größenwahnsinnig im göttlichen Sinn verstanden werden 🙂 ). Das Faszinierende war, dass ich nie im Vorhinein wusste, wie es ausgeht. Dazu muss man sagen: ich mag Pläne extrem gerne. Manche Leute gehen so weit und attestieren mir „Kontrollsucht“. Ich würde sagen: die übertreiben nicht. Ich hab sehr gerne Plan A, B, C, D und manchmal sogar noch E. Auch F soll schon mal vorgekommen sein! Beim Impro war ich trotz verschiedener Pläne immer wieder aufs Neue überrascht. Manchmal positiv überrascht, manchmal nicht so, aber es war zumindest nie langweilig. Und Langeweile kann ich echt schwer ertragen…

2010 – das verflixte siebte Jahr später, 12 vor Fuchs gab es seit drei Jahren – hatte ich dann einen Durchhänger. Eine künstlerische Riesenflaute. Ich war grad von einem Jahr Auslandsaufenthalt in den USA zurück, mitten im Reverse-Culture-Shock und hatte das Gefühl, künstlerisch gar nichts auf die Reihe zu kriegen. Singen auf der Bühne war eine Qual, und meine Charaktere haben mich alle gelangweilt. Die Gruppe war immer noch toll, aber ich hab mich selber in den Szenen nicht mehr erleben wollen. Ich hätte mich da natürlich durchbeißen können, aber das wollte ich Impro nicht antun. Ich hatte Angst, dass wir (Impro und ich) uns dann irgendwann hassen würden. Also hab ich beschlossen, aufzuhören. Die Füchse haben mir das so nicht durchgehen lassen und mir ein immer während gültiges Rückkehrticket in die „Auszeit“ – wie sie es genannt haben – mitgegeben. Dafür bin ich ihnen bis heute unendlich dankbar. :-*

Natürlich hab ich 12 vor Fuchs weiter von außen beobachtet und mitbekommen, was es an argen Weiterentwicklungen gab: Die Füchse sind zum ersten Mal nach Linz zu den Theatersportmeisterschaften gefahren, waren in Würzburg beim Impro-Festival dabei, die gemeinsamen Fuchs-Urlaube haben sich etabliert, die Gruppe hat sich verändert, künstlerisch weiterentwickelt und ist stärker zusammengewachsen. Ich hab mir nie gedacht, dass ich tatsächlich von meinem Ticket Gebrauch machen würde. Aber es ist gut aufgehoben in der Schublade gelegen und ab und zu hab ich es angeschaut, drüber gestreichelt, gelächelt und mir gedacht „hm, später vielleicht…“.

Später war dann 2015. Ein bisschen nervös bin ich mit dem Ticket in der Hand Stefan gegenüber gesessen und hab ihn gefragt, ob das denn immer noch gültig wäre. Er hat die Gruppe gefragt und die haben „ja“ gesagt. Völlig arg. Ich kann’s immer noch kaum glauben. Ich wär ja tendenziell eher streng mit mir gewesen. Wenn ich mich gegen was entscheide, dann kann ich dann nicht ein paar Tage (oder Jahre) später kommen und sagen „jetzt will ich doch wieder“. Das geht nicht. Wo kämen wir denn da hin! Entweder, oder. Hopp oder drop. Nix da herum lavieren! Sagt man ja auch, dass so aufgewärmte Sachen nicht gut sind. Einmal beendet, immer beendet. Und so weiter.. naja, in dem Fall war das alles Blödsinn.

Es ist großartig, zurück zu kommen! Die ersten Trainings waren zwar ziemlich aufregend und ich hab mich echt davor gefürchtet , bei der ersten Show mitzuspielen (ich kann mich noch genau erinnern: es war ein Topf im Irrlicht und ich hatte riesiges Lampenfieber), aber das hat sich ziemlich bald wieder gelegt. Warum? Weil die Füchse einfach so liebe und achtsame Menschen sind, die mich so herzlich in Empfang und wieder aufgenommen haben, dass es ganz leicht war, sich wieder dazugehörig zu fühlen.

Es ist nicht mehr dieselbe Improgruppe, in die ich mich verliebt hab, auch nicht dieselbe, die ich verlassen habe und nicht dieselbe, zu der ich zurückgekommen bin, aber für mich ist sie die beste Improgruppe der Welt.

(Irene, März 2019)

Irene
Foto: Mirella Rusch
Impronazi Bild

Impro-Blog: Von Impro-Nazis, der Angst und der Freiheit

Willst du die totale Freiheit?

Als ich mit dem Improspielen anfing, war es unter anderem das, was auf mich so verlockend wirkte: dieses unglaubliche Versprechen der ungebundenen und unregulierten Spielfreude, der Freiheit im Spiel – denn schließlich ist es ja bei Impro so: „you just make stuff up as you go along!“ Spielen also, und einfach schauen was dabei rauskommt. Kein Regisseur, kein Skript. Wow, ein verrücktes und wunderbares Versprechen.
Ich hatte davor schon so manchen Kontakt zu Regisseuren gehabt. Und das waren nicht immer gute Erfahrungen. Es waren Despoten darunter, Narzissten, Kontrolleure, Visionäre, Napoleons und Neros. Nicht allen, aber doch einigen gemein war das bleibende Gefühl, dass es der Seele nicht gut täte, unter solchen Menschen zu arbeiten.

Genug Gründe also, sich ein paar Jahre später freien Herzens und frohen Mutes in das Abenteuer Impro zu stürzen, in die volle Freiheit.

Und so begann es auch: wie ein junger Hundewelpe hopst man fröhlich über die Improbühne, gleich einem Schmetterling auf einer Frühlingswiese, jedes Angebot und jede Idee annehmend, die des Weges kommen möge. Man hat ein neues Hobby. Es ist wunderbar. Es macht so viel Spaß. Es gibt so viel Freiheit. Man kann machen, was man will. Oder fast.
Weil, früher oder später merkt man doch: Hm, manche Szenen funktionieren einfach besser als andere. Manche sind lustiger, berühren mehr, sind einfach spannender zum Spielen, oder zum Zuschauen.

Er ist wieder da

Impronazi Bild Und das ist die Geburt vom kleinen Impronazi. Und die geht so:

Du spielst also Impro, hast jetzt schon die ersten paar Jahre hinter dir; die ersten Workshops gemacht, hast vielleicht auch schon eine Gruppe an Leuten, mit denen du regelmäßig spielst. Und da fängt das dann an, die Sachen mit dem „Pflichtenheft“, oder dem Regelbüchlein. Die do’s und dont’s einer Szene, welche dir verschiedene Bücher, Workshopleiter_innen oder KollegInnen mehr oder weniger subtil nähergebracht haben.

Ja! sagen, konstruktiv sein, vorwärts gehen. Sachen benennen, das WerWoWas schnell klar machen. Gut, soweit so klar. Eventuell auch: bitte keine Szenen am Klo, nicht in der Sauna. Kinder spielen ist mühsam, anderes Geschlecht eher auch. Bitte keine Drogenszenen, Verfolgungsjagden derspielt man eh nicht, Missbrauchsgeschichten sind wirklich eher bäh, Annemarie mag kein Science Fiction, und der Hannes hat es böse mit dem Knie, also bitte nicht zu viel Action mit ihm. Naja, und Nazi-Szenen sind sowieso ziemlich verpönt. Geht sich einfach nicht aus.

Und so, Stück für Stück, über die Jahre, passiert etwas: du erlernst ein Handwerk, gepaart mit einem Regelwerk. Du entwickelst ein Gespür, oder verinnerlichst diese Regeln, die dir helfen sollen – und hoffentlich auch helfen – bessere Szenen zu spielen. Zugleich engt dich dieses Wissen auch immer weiter ein.

Denn du bezahlst dieses Wissen zum Teil mit der Freiheit, wegen der du mit Impro angefangen hast.

Die Zwei

Und dann gibt es da die Zwei. Bei mir sind es zwei Männer, sie heißen Herr Kowitzki und Herr Fönbichler. Kowitzki ist Deutscher, Fönbichler ist Wiener. Die sitzen dann in meinem Kopf, manchmal im Publikum. Sie sind von Beruf Inspizienten. Die haben so eine Checkliste, einen Pflichtenkatalog. Wenn sie zuschauen bei einer Szene, dann hakeln die ab: „Aaaah, sehr schön ge-yes-and-et. Mhm. Objektkonstanz unzureichend, Glas nicht auf Tisch abgestellt, mangelhaft, das gibt Abzüge… Oooh, Beziehung nicht klar gemacht, gar nicht gut… Ja, und wo sind wir? Der Ort? Hm? Der Ort?? Und worum genau geht’s jetzt in der Szene??“

So geht das dahin. Manchmal sind Kowitzki und Fönbichler so laut, dass ich die Szene gar nicht mehr hören kann. Manchmal sind sie so streng und so von sich und ihren Regeln überzeugt, dass sie gar keinen Platz mehr lassen, um mal etwas Neues auszuprobieren. Sie habe ich meine inneren kleinen Impro-Nazis genannt. Weil sie die Regeln sehr wichtig finden, und ganz ungehalten werden, wenn die nicht eingehalten werden, und manchmal ganz schön streng sind.

Impronazi2 Bild

Wenn man dann selber schon seit längerem spielt, vor allem wenn man selber Kurse und Workshops leitet, können die echt zum Problem werden. Weil: du willst den Leuten (und dir selbst) die Spielfreude, die Frühlingswiese der ersten Tage vermitteln, dieses Gefühl von Freiheit. Aber: du willst auch, dass sie möglichst schnell zu guten, bedeutungsvollen Szenen kommen. Und gerade bei einer scheinbar so freien Form wie Impro scheint das Hirn nach irgendwelchen Regeln zu lechzen, an denen es sich anhalten kann. Und scheint es diese auch zu brauchen, damit die Szene nicht den Bach runtergeht. Und du hast du auch die Erfahrung gemacht, dass diese Regeln und Handwerkzeuge durchaus Sinn machen. Und letztlich wird auch dein Bedürfnis und deine Lust nach Improszenen, die nirgendwohin gehen, immer enden wollender.

Und schließlich steht das alles ja auch in so vielen klugen Büchern drin! Kann also nicht so falsch sein, oder?

Gefahren_gut

Ist es auch nicht. Oder: vielleicht nicht. Ich glaube, es geht um die Gefahren; und um das Bewusstsein.
Die Gefahr ist, nur mehr mit dem Pflichtenheft Impro zu spielen oder zu schauen, nur mehr mentale Stricherl-Listen abzuhaken und Fehler zu suchen. Dann ist er weg, der Improzauber. Das Bewusstsein: dass manchmal gar großartige Szenen entstehen können, die auf all diese Regeln aber sowas von pfeifen, dass es Fönbichler fallweise das Toupet aufstellt. Die Bereitschaft, sich auch auf solche Szenen einzulassen, auch wenn Kowitzki am liebsten im Stechschritt den Raum verlassen wollte. Und die Schwierigkeit, schnell zu entscheiden, wann man darauf achtet, und wann nicht.

Denn das ist sie, die wahrlich wahnwitzige Quadratur des Kreises: dass all diese Regeln einerseits den totalen (toootaaaalääään!!) Sinn ergeben, und echt hilfreich sein können; dass andererseits, wenn man sich nur mehr darauf konzentriert, man irgendwann den Spaß am Impro verlieren kann, weil man nicht mehr frei ist, und irgendwann das Netz, ohne dem zu spielen man glaubte, so engmaschig gestrickt ist, dass man jede Szene darin liegend beginnt, anstatt nackt auf einem Vulkan tanzend.
Das wäre sie also wohl, die improvisatorische Perfektion: all die Regeln und das Handwerk verinnerlicht zu haben, um dann – intuitiv und in Sekundenbruchteilen – entscheiden zu können, wann man diese braucht, und wann man volle Kanone auf sie pfeift.

Ich jedenfalls habe einen Vorsatz fürs nächste Jahr: ich möchte wieder mehr Szenen spielen, wo ich als Nazi Drogen am Klo nehme.
Die totale Freiheit.


Schatz Gollum

 

Marcus Czerwenka ist Improspieler, Improtrainer, freut sich gerade auf seinen nächsten Workshop und spielt für sein Leben gern Impro.

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Galerie: Mehr Freiheit! Mehr Spiele! Weniger Brot.

Fotos von der Show am 13. September 2014.

Vielen Dank an Sébastien Chambres von Impro Infini aus Brest für die Bilder!